Bundespräsident: "Wir haben den Status eines Entwicklungslandes"
Horst Köhler kritisiert Bildungssystem
26.10.2007 (bikl) In einer Rede anlässlich des 250. Geburtstages des preußischen Reformers Freiherr von Stein hat Bundespräsident Horst Köhler gestern in Berlin heftige Kritik am deutschen Bildungssystem geübt.
Horst Köhler: Schulsystem Begabungen verkümmern. - Bild: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
"Wie stolz waren wir doch, etwa auf unser Bildungssystem - das ja zu guten Teilen Steins Zeitgenosse Wilhelm von Humboldt geschaffen hat", so der Präsident beim Festakt der Freiherr-vom-Stein Gesellschaft. "Wir wähnten uns weit weg von der feudalen Gesellschaft und ihren durch Herkunft und Geburt bestimmten Lebenswegen - jetzt haben wir es dank PISA-Studien schwarz auf weiß, dass es bei uns auch heute noch ererbte Privilegien gibt. Denn anders kann man es doch nicht nennen, wenn vier von fünf Akademikerkindern studieren, aber nur eines von fünf Kindern mit Eltern ohne akademischen Grad."
Wir müssten zur Kenntnis nehmen, so Köhler weiter, "dass wir in puncto frühkindlicher Bildung den Status eines Entwicklungslandes haben, dass unser Schulsystem Begabungen verkümmern lässt und dass unsere Hochschulen in Spitze und Breite ein gutes Stück von der Exzellenz entfernt sind, die wir brauchen, um im internationalen Vergleich erfolgreich zu bleiben."
Mit der Föderalismusreform sei Autonomie der Länder ist gestärkt worden - etwa im Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung. Nun müsse sich allerdings erweisen, "wie kraftvoll und verantwortungsbewusst die Länder ihre neuen Möglichkeiten zum Wohle unseres ganzen Landes nutzen."
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